Wir erleben gerade eine Welt, die aus dem Krisen- und Katastrophenmodus nicht mehr herauskommt. Deshalb ist Resilienz in aller Munde. Damit ist die Fähigkeit gemeint, Krisen gut zu bewältigen, Widerstandskraft zu zeigen, Haltung zu bewahren.
Resilienz ist kein Allheilmittel, das Krisen und Katastrophen wie mit einem Zauberstab verschwinden lässt. Resilienz ist eher ein Bündel an Eigenschaften und Haltungen, die mir helfen, die Stürme des Lebens besser zu überstehen.
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Meistens dachte ich nach schwierigen Phasen in meinem Leben:
- «Hätte ich das doch früher gewusst!»
- «Hätte ich bei dieser Warnung besser zugehört!»
- «Hätte ich diese Erfahrung, die ich schon längst gemacht habe, doch ernster genommen!»
Das nächste Mal bin ich hoffentlich klüger. Wenn ich wieder einmal in einen Lebenssturm hineingerate, dann bin ich hoffentlich besser gewappnet, besser geschützt, besser geschult, auf das, was mich da herausfordert und leider auch überfordert.

Sieben Faktoren für Resilienz im Beruf
Ich habe mich also mal auf die Suche gemacht und im Ratgeber Karrierebibel ↗ sieben Charaktereigenschaften und Faktoren für mehr Resilienz gefunden:
- Selbstbewusstsein: Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten und glaube, dass ich aktiv etwas tun kann. Ich kenne mich, und ich vertraue mir.
- Kontaktfreude: Wenn ich ein gutes, anhaltendes, gesundes Beziehungsnetz um mich herum habe, dann werde ich dadurch gestützt: Der eine hilft mir durch sein Zuhören, der andere durch seine Empathie, die eine nimmt kein Blatt vor den Mund, die andere bringt mir Schokolade oder Kuchen zum Trost vorbei.
- Gefühlsstabilität: Damit ist gemeint, dass ich mich nicht einfach meinen Gefühlen überlasse wie so ein Fähnchen im Wind, wie ein Stück Treibholz in den Wellen, sondern: Ich lebe mit meinen Gefühlen und ich bin fähig, meine Gefühle auch etwas zu steuern.
- Optimismus: Das ist vielleicht das A und O der Resilienz: Was immer auch passiert, ich werde das schon irgendwie schaffen. Ich habe meinen Tank voll mit Hoffnung und Zuversicht.
- Handlungskontrolle: Ich verfalle nicht in Aktivismus oder Panik. Ich verfalle auch nicht in Lethargie und mache gar nichts mehr. Sondern ich überlege und handle dann kontrolliert. Ich springe also nicht auf den nächsten Zug auf, sondern habe im Blick, wo ich langfristig hin will.
- Realismus: Resiliente Menschen sind Realisten. Wenn Probleme auftauchen, dann stecken wir ja gerne mal den Kopf in den Sand oder laufen innerlich vor den Schwierigkeiten davon. Ein besserer Umgang ist, die Krise ohne rosa Brille anzuschauen.
- Analysestärke: Die Lage durchzudenken, die Situation zu analysieren hilft mir nicht nur dabei, die Ursachen einer schlechten Entwicklung auszumachen. Das hilft mir auch andere Möglichkeiten und Alternativen zu finden.
Soweit mal die Anregungen aus dem Ratgeber «Karrierebibel». Wenn ich mir diese Punkte so anschaue, dann denke ich sofort: Das kenn ich doch! Da bin ich doch gar nicht so weit weg! Ich kann mir gut vorstellen, wie das im Beruf hilft, durch die Stürme des Berufsalltags hindurchzukommen.
Sieben geistliche Wege zu mehr Resilienz
Und eigentlich erwarte, erhoffe ich mir…
- dass mein Glaube mich ausrüstet mit solchen guten Haltungen
- dass meine Spiritualität solche Eigenschaften bei mir fördert
- dass Gott mir hilft inmitten der Stürme des Lebens.

Also habe ich mich auf die Suche gemacht. Ich habe die Karrierebibel mal zur Seite gelegt und die echte hervorgeholt. Ich habe das Original zu den sieben Punkten befragt:
- Selbstvertrauen: Wie hilft mir mein Glaube, selbstbewusster zu sein und mehr Vertrauen in mich selbst zu haben? Vielleicht beginnt das, indem ich mir eingestehe, was für ein toller Mensch bin. Ich bin Gottes Geschöpf, das er als «sehr gut» beurteilt. ↗ Ich bin sein geliebtes Kind ↗. Das schreibe ich mir auf den Spiegel: «Gott findet mich toll!»
- Kontaktfreude: Wenn ich mit anderen gläubigen, spirituellen Menschen unterwegs bin, dann bin ich nie allein. Manche Kirche ist sogar ziemlich gut darin, das Beziehungsnetz zu verbessern, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen.
Und Jesus sagt auch mal: «Ich bin allezeit bei euch.» ↗ Der Beter in Psalm 23 ↗ sagt: «Und muss ich auch wandern durch finstere Schlucht, dein Stock und dein Stab geben mir Sicherheit.» Ich bin also auch und erst recht in den grössten Stürmen des Lebens nie allein. - Gefühlsstabilität: Es gibt in der Bibel diese Stelle, wo ein Betender Gott sein Herz entgegenhält, damit er es untersucht und prüft: «Erforsche mein Herz, ob ich auf dem richtigen Weg bin.» ↗ Mir hilft es, im regelmässigen Gebet Gott mein Herz auszuschütten, Gott mein Herz entgegenzuhalten, mit all den ungestümen Gefühlen, zu denen mich manche Lebenssituationen anregen.
- Optimismus: Wenn dein Glaube und deine Spiritualität dir nicht helfen, Hoffnung und Zuversicht in dir zu haben, dann läuft etwas grundlegend falsch. Für mich ist es eine Quintessenz, mir zu sagen: «Bei Gott wird alles gut. Alles wird noch ein gutes Ende nehmen. Rettung ist nahe.» Am Ende, als Ziel wartet der Himmel. Das ist purer, blanker Optimismus.
- Handlungskontrolle: Gott traut mir doch zu, etwas zu tun. Mir geht nach, wie häufig Jesus zu Leuten so etwas sagt wie «Steh auf!» oder «Geh los!» oder «Mach jetzt mal!» Er traut mir viel zu, wenn er Aufträge verteilt: «Weide meine Schafe!» ↗, «Geh in alle Welt!», «Verkünde das Evangelium!», ↗ «Tu Gutes! ↗ Heile! ↗ Versöhne!» ↗ Mir wird zugetraut, zu handeln.
- Realismus: Jesus hält sich nicht mit Nettigkeiten, mit diplomatischen Floskeln oder dem Beschönigen von Krisen auf. Er kündigt Leid an ↗, er sagt einem Fehler auf den Kopf zu. ↗ Selig die Realisten! Das ist so erfrischend ehrlich, nicht immer einfach, aber im Sinne von Resilienz: sehr hilfreich!
- Analysestärke: In der Bibel findet sich bei Paulus der Spruch: «Prüfe alles und das Gute behalte!» ↗ Das ist eine klare Aufforderung, gründlich nachzusehen, wie der Laden läuft, was wirklich funktioniert, was nicht. Jesus bringt das Beispiel eines Mannes, der ein Haus bauen will, ↗ und dessen Klugheit darin besteht, vor Baubeginn zu sehen, dass der Plan funktioniert.
Bibelworte und Lieder als Kraftquellen
In Sachen Resilienz bietet mir der Glaube also viel Unterstützung. Zu manchen dieser Zusprüche fällt mir ein Bibelvers oder eine Liedzeile ein. Diese immer wieder mal zu wiederholen, hilft mir, sie in schwierigen Situationen nicht zu vergessen. Es gibt für mich zum Beispiel bestimmte Taizélieder, die ich mir manchmal im Auto vorsinge:
- «De noche ireimos de noche» ↗ ist ein Lied über das Feuer, das uns leuchtet, auch wenn die Nacht dunkel ist.
- «Jesus le Christ» ↗ handelt davon, das Jesus als inneres Licht in der Seele hilft, dass nicht die Dunkelheit zu mir spricht.
- Das Lied «En todo amar», erinnert mich daran, in allem zu lieben und motiviert mich zum Guten.
«Nautische Resilienz»: Gott als Anker, Kompass und Leuchtturm
Beim Blick in die Bibel und beim Sprechen über Glaube fällt mir auf, wie viel davon mit der Seefahrt zu tun hat:

Gott ist wie ein Kapitän, der seiner Mannschaft vertraut und viel zutraut. Er kennt jeden mit Namen, schaut ins Herz voller Fürsorge.
Gott ist wie ein Anker, der Sicherheit gibt.
Gott ist wie ein Kompass, der mir Orientierung gibt, auch wenn der Sturm mir die klare Sicht nimmt.
Gott ist wie ein Leuchtturm am Horizont, der mir zeigt, wo der Hafen ist. Er lässt mich im Sturm nicht allein.
Und manchmal drängt Gott mich, wieder neu hinaus zu rudern, neue Segel zu setzen, Netze auszuwerfen, weil ich das kann, weil er mir das zutraut.
Also kommen wir zum Schluss: Die christliche, biblische Resilienz ist eine nautische Resilienz, die mir auf den Stürmen des Lebens helfen kann und zuschaut, dass nachher die Sonne wieder scheint.
Dir alles Gute & Gottes Segen!

Carsten
Wolfers
Carsten Wolfers ist leidenschaftlicher Podcaster und Hobby-Musiker. Der 52-Jährige lebt mit seiner Familie im Rheintal und arbeitet als Diakon für die römisch-katholische Kirche in Sevelen. In seiner Freizeit philosophiert er gerne über die grossen Fragen des Lebens.

