Podcast Sternenglanz St.Gallen Carsten Wolfers

Lesedauer: 5 Minuten

#70 Geben statt nehmen: Wie Schenken glücklich macht

Der Advent ist ausgebrochen. Langsam mache ich mir Gedanken über Geschenke.

  • Wem werde ich was schenken?
  • Wann werde ich mir Zeit dafür nehmen?
  • Wie viel darf es kosten?

So mache ich mir Druck durch Erwartungen und Wünsche. Das macht mir Stress. Und dann kommt noch meine Aufschieberitis hinzu.

Dabei finde ich es schön, Geschenke zu erhalten wie auch Geschenke zu machen. Besonders im Advent und zu Weihnachten.

Schauen wir heute mal auf vier verschiedene Advents-Geschenke-Bräuche, auf Sinn und Bedeutung des Schenkens und wie ich in diesem Jahr gerne schenken möchte.

Bräuche des Schenkens

Es gibt eine Reihe schöner Geschenke-Bräuche im Advent und zu Weihnachten. Vier davon teile ich mit dir:

1. Samichlaus 🎅

Rund um den 6. Dezember kommt der Samichlaus vorbei und schenkt Nüsse, Mandarinen und aufmunternde Worte. Das ist eine so schöne Tradition. Mir gefällt daran auch die Erinnerung an den Bischof Nikolaus. Er ist für mich eine Art Fachperson dafür, wie das Geschenkemachen so richtig gut wird. Für mich ist und bleibt es faszinierend, wie der Samichlaus etwas für Kinder ist, und wie Nikolaus etwas tut auf so eine selbstlose und uneigennützige, aber auch anonyme und heimliche Art, wenn er hier und da etwas Gut zusteckt.

Nikolaus ist immer für eine Überraschung gut.

2. Wichteln 🎁

Beim Wichteln schenkt nicht jeder jedem, sondern jeder einem/einer. Dafür wird gelost oder abgesprochen, wer wem was schenkt. Der Name kommt wohl von einem Wicht aus dem Norden, der heimlich Geschenke verteilt.

Wir hatten erst kürzlich daheim so eine Runde, wo die unterschiedlichsten Regeln zum Wichteln aufgestellt wurden: Es sollte nicht so viel und nicht so teuer sein, es sollte gar nur dieses eine Geschenk werden, damit es für jeden gleich wird. Aber wie ich in die Runde schaute, hatte ich den Eindruck, dass etliche sich sicherlich nicht daran halten werden.

Dem ein oder anderen schenkt man ja auch gerne.

3. Spenden 💖

Im Advent machen es sich viele Menschen zur Gewohnheit, eine kleinere oder grössere Spende zu tätigen. Im Büro bekomme ich jeden Tag wieder ein neues Spendengesuch auf den Tisch, und die Masse stört mich. Viele dieser Bettelbriefe landen direkt im Papiersammler. Und dennoch:

Ich staune, wie viel manche Menschen spenden, um andere an ihrem Glück und ihrer Sicherheit teilhaben zu lassen.

4. Geschenke für alle?

Um die Geschenkeflut einzudämmen, sagen manche Familien: «Es genügt, wenn die Kinder ein Geschenk bekommen, aber wir Erwachsenen brauchen das eigentlich nicht.»

Erst letzte Woche habe ich das wieder von einer Familie gehört. Manche gehen stattdessen gut essen. Ich finde es gut, wenn man gemeinsam eine Regel findet, dass der Geschenkeberg nicht die Zimmerdecke erreicht. Aber ich muss einräumen:

Auch als Erwachsener mag ich es, beschenkt zu werden und jemanden zu beschenken. Das kann und darf eine Sprache der Liebe sein.

Da haben wir also eine ganze Reihe von Bräuchen im Advent und zu Weihnachten. Manchmal wird das an Konsum und Geschäft zu viel. Mancher fragt sich, ob wir vor lauter Geschenkerummel noch den Sinn von Weihnachten sehen.

Aber immerhin: Es geht um Geschenke, aber oftmals umso viel mehr.

Was steckt hinter all diesem Geben?

Geben ist besser als Nehmen

Im November gab es eine Aktion der reformierten Kirche in Zürich. Dort wurden Passanten gefragt, wie sie es mit den Geschenken halten.

Viele meinten, dass sie gerne beschenkt werden und dass es ihnen auch eine grosse Freude bereitet, andere zu beschenken. Sich Gedanken zu machen, Zeit, Energie und Phantasie zu mobilisieren, um für diesen besonderen Menschen ein Geschenk zu finden, das scheint sogar mehr Freude auszulösen als die Freude über ein Geschenk, das mir gemacht wird. Die Freude beim Geben ist vielleicht grösser als die Freude über das Bekommen.

Eigentlich bin ich gerne grosszügig. Wenn sich das Servicepersonal im Restaurant Mühe gibt, wenn Strassenmusik zu hören ist, wenn die Kinder hier und da einen Zustupf brauchen, gebe ich lieber zu viel als zu wenig.

Grosszügigkeit ist ein wunderbares Gegenmittel gegen Egoismus und Materialismus.

Nicht für mich, für andere.

Nicht nehmen, sondern geben.

Grosszügigkeit kann ich im Advent und zu Weihnachten richtig gut üben, und das übe ich für mich selbst. Es tut mir gut, mich als grosszügigen Menschen zu sehen und zu erleben. Die Grosszügigkeit beim Geben ist besser als Geiz oder Neid beim Nehmen.

Vögel mit Futter beschenken: Ein Akt der Grosszügigkeit.
Vögel mit Futter beschenken: Ein Akt der Grosszügigkeit.

Natürlich nervt mich der Einkaufsrummel, mich stresst die Suche nach Geschenken. Dennoch:

Das Schenken kann auch eine spirituelle Praxis sein, erst recht, wenn ich Not erkenne und handle, wenn ich damit Nächstenliebe ausübe. So wie ein Martin mit seinem Mantelteilen, wie ein Nikolaus mit seinen Gaben. Im Kleinen ahme ich etwas nach, was Gott ganz gross für mich tut.

Schenken ist für mich ein Erinnerung daran, wie Gott sich zur Weihnacht verschenkt. Im kleinen Kind in der Krippe schenkt Gott neue Zuversicht, Perspektive und Hoffnung.

Jesuskind in der Krippe
Wer weiss schon, ob ich nicht besser, nicht seliger werde, wenn ich ein wenig wie Gott schenke?

Wie möchte ich schenken?

  • Persönlich: In diesem Jahr wünsche ich mir, dass ich es schaffe, persönlich zu schenken. Ich überlege, was den Menschen gefallen könnte, welche Vorlieben sie haben, womit ich sie überraschen könnte.
  • Mit Herz: Ich möchte mit Herz schenken. Und wenn ich da etwas Geld, dort etwas zum Spielen, dort etwas Kreatives oder Hübsches gebe, dann möchte ich damit zeigen, wie ich vom Herzen her zum anderen stehe.
  • Mit Mass: Und ich möchte mit Mass schenken. Ich will nicht übertreiben, in keinen Konsumrausch geraten, dabei nicht verarmen. Einen vernünftigen Rahmen darf all mein Schenken haben. Aber ich möchte mir den Rahmen so stecken, dass da viel Platz ist für Freude, für Grosszügigkeit, für diese Ahnung, dass ich in dieser Welt vor Gott immer noch der Beschenkte bin.

«Geben ist seliger als Nehmen.» Ja, es tut mir gut. Es tut dem anderen auch gut. Und selig, also glücklich können wir damit auch werden, zumindest ein kleines Stück.

Teetasse mit Bienenwachskerze und Tannenzweige
Jetzt ist die Zeit, in der das Geben stärker ist als das Nehmen.

Viel Freude beim Schenken!

In dem Sinne also viel Spass, wenn der nächste Weihnachtsmarkt dich lockt, wenn du stundenlang vor dem PC hockst und online Geschenke bestellen willst, wenn die Menschenmassen viel zu viel sind und die Post langsamer ist als sonst.

Viel Freude in dieser Zeit, wo endlich wieder das Geben stärker ist als das Nehmen.

Wie hältst du es mit den Geschenken? Schreibe und erzähle es uns!

Dir alles Gute & Gottes Segen!

Portrait Carstel Wolfers

Carsten
Wolfers

Carsten Wolfers ist leidenschaftlicher Podcaster und Hobby-Musiker. Der 52-Jährige lebt mit seiner Familie im Rheintal und arbeitet als Diakon für die römisch-katholische Kirche in Sevelen. In seiner Freizeit philosophiert er gerne über die grossen Fragen des Lebens.

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