Kathrin meinte kürzlich, wir würden je länger, je mehr erkennen, was uns unterscheidet. Das wusste ich noch gar nicht. Das irritiert mich ein wenig. Tut sich da etwa ein Riss zwischen uns auf? Und dann erzählte sie so tolle Sachen, dass sie unliebsamen Menschen mit dem Geist der Liebe begegne. Das begeistert mich. Daran möchte ich anknüpfen.
Ich werde heute darum erst ein Lied aus den 80ern in Erinnerung rufen und schauen, welche Geister der Liebe ich rufen muss, damit wir heute gut leben können.
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Kathrin und der Geist der Liebe
Mir gefällt Kathrins Vorschlag, unliebsamen Zeitgenoss:innen mit dem Geist der Liebe zu begegnen. Mir gefällt diese Vorstellung, meine innere Abneigung in etwas Positives zu verwandeln. Allerdings geht mir nicht aus dem Kopf, dass mir nicht nur ein unliebsamer Mensch einfällt. Da ist der eine und der andere, dieser und jener. Einigen Menschen traue ich nicht. Manchen möchte ich nie mehr begegnen. Da kommt ganz schön was zusammen.
Ich mache mir Sorgen, dass da schlichtweg zu viele unliebsame Menschen herumlaufen. Und so sehr ich auch viele wunderbare, liebenswerte, liebende Menschen erlebe, das Unbehagen bleibt, es könnten einfach zu viele Unliebsame sein. Und eben dazu fällt mir ein Lied ein.
Mit Codo gegen den Hass
Ein freches Beispiel ironischer Popkultur: Codo düst im Sauseschritt. Vielleicht kennst Du diesen lustigen, auch reichlich komischen Song aus den 80er Jahren von der Gruppe DÖF. Um Drama wird da nicht gespart. Worum geht es in diesem Lied?
Der Songtext erzählt diese Geschichte: Seit 2000 Jahren gibt es keine Liebe mehr auf der Erde, es regiert der Hass. Da wurden die Geister der Liebe wohl nachhaltig vertrieben. Ein gehässiges, ja, gemeines Lachen ertönt.
Der Hass dominiert, der Hass vernichtet alles, was nach Liebe duftet, der Hass baut einen Schutzschirm um den Planeten auf, damit alles auch immer so schrecklich bleibt.

Fast scheint dieser Hass noch stolz zu sein, auf seine Hässlichkeit. Es wird beobachtet und kontrolliert. Es wird totalitär und gewalttätig, nichts anderes mehr zugelassen als diese schreckliche Kultur des Hasses. Und eine weitere Eigenschaft des Hasses taucht dabei auf: Der Hass kann es nicht lassen, weiter und weiter zu hassen. Er ist in sich selbst gefangen. Hass ist nicht frei.
Der Hass heute
Was in diesem Lied noch so comicmässig komisch tönt, das scheint mir heute gar nicht mehr so fremd zu sein. Ob ich dabei übertreibe? Sich zu empören und rücksichtslos, empathielos gegen andere zu sein, das ist für so manchen heute das neue Normal. Hass und Hetze scheinen keine Grenzen mehr zu respektieren.
Es sind einfach zu viele mächtige Herren in dieser Welt, die aus lauter Macht- und Geltungssucht so viel an Wahrheit und Gerechtigkeit preisgeben. Welche Chance haben Empathie, Mitgefühl, ja, und eben auch Liebe, noch in dieser Welt? Das macht mir Angst. Es sind eben nicht nur die Donalds und Elons und Wladimirs und Peters, die sich so krampfhaft gegen echte Liebe versuchen abzuschirmen. Da laufen leider ganz viele von dieser Sorte herum.
Der Auftritt von Codo
Da wird es Zeit für eine glückliche Wendung: Im Lied taucht Codo auf, ein ausserirdisches Wesen, das herbeieilt, um der Erde erneut Liebe zu bringen. Im Sauseschritt kommt Codo herbei, hat auf dem Flug durch die endlosen Weiten des Universums ganz viel Sternenglanz eingesammelt und eilt herbei, um die Erde vom Hass zu befreien.
Diese Vorstellung gefällt mir richtig gut. Das ist so ganz nach meinem Geschmack. Ein schönes Lichtwesen fliegt herum, hat Spass dabei und ist frei. Codo liebt es, zu helfen. Codo ist der ausserirdische Geist der Liebe. Die Liebe durchdringt den Hassschirm wie Butter. Der ganze Hass schmilzt einfach dahin. Die Liebe siegt natürlich – ja, hoffentlich.
Es wurde so viel Hass und Hetze in den letzten Jahren verbreitet! Oft wird Liebe, Mitgefühl, Empathie als Schwäche ausgelegt. Aber die spannende Frage für mich ist, was passiert, wenn Liebe auf Hass trifft. Im Lied tönt das so leicht und lustig. Im Leben will ich da Lösungen und Antworten: Was passiert mit dem Hass, wenn Liebe auf ihn trifft?

Ich habe kürzlich angefangen, in meinem Bekanntenkreis einigen diese Frage zu stellen: Was passiert, wenn Liebe auf Hass stösst? Da kommen zunächst ganz viele Bedenken, in dem Stil von »Den angetrunkenen Neonazi im Zug will ich spätabends nicht umarmen!« Da gibt es ganz viele Beispiele, wo die Liebe sich besser zurückhält. Aber nach den Bedenken und den Beispielen ergeben sich oftmals auch sehr interessante Gespräche.
Eigentlich ist das ein ziemlich bekanntes Motiv: Dass die Liebe kommt, um den Hass zu überwinden; dass Licht kommt, um die Finsternis zu überwinden; dass das göttliche Wort gesprochen wird zu Menschen, die hoffentlich dann auch zuhören… das kommt uns vermutlich bekannt vor.
Der Anfang des Johannesevangeliums erzählt das ganz ähnlich. Vielleicht habe ich damit jetzt die Bibel-Fans genauso wie Pop-Fans und Scifi-Fans schockiert, aber die Parallelen sind einfach zu stark. Und wenn Gott als Wort, als Licht, als Liebe ebenso herbeieilt, im Sauseschritt, mit grösster Leichtigkeit den Hass auflöst und vertreibt, dann mag ich das gar nicht so ironisch abtun.
Was hilft gegen Hass?
Um dem Hass und der Hetze zu begegnen, die ich immer wieder wahrnehme, hilft mir dreierlei:
- Erstens, zu versuchen, den Hass zu verstehen, nicht nur in dem, was der Hass versucht, mich glauben zu lassen. Ich mag versuchen, hinter die Fassade des Hasses zu schauen. Ich vermute, dort lässt sich ganz viel an Frust und Enttäuschung, Unsicherheit und Angst, viel an Einsamkeit und zu wenig an gesundem Selbstbewusstsein finden. Ich will den Hass verstehen, um mich besser dagegen zu wappnen. Aber das allein wird nicht helfen.
- Ich mag versuchen, zweitens, die Liebe zu verstehen, zu sehen, zu erleben, wie sie wirkt. Ich will dabei sein, wenn der Geist der Liebe seine ganze Kraft entfaltet. Weil ich mir das wünsche, weil ich das ersehne, stelle ich mich mental raus bei Nacht und schaue hinauf, von wo mir Hilfe kommt. Und wenn ich auch hoffe, dass da bald eine göttliche oder ausserirdische Kraft alles wieder in Ordnung bringt, so denke ich, dass ich doch schon längst meinen Anteil an dieser Kraft habe. Da blicke ich nicht nur in die unendlichen Weiten, sondern sehe tief in den Glanz der eigenen Seele, schaue, was da an Liebe schlummert, was da im Sauseschritt rumort.

- Das wäre eigentlich auch schon der dritte Punkt, der mir hilft. Vielleicht ist das mehr meine Perspektive, wie ich meine, gut zu leben: Nicht zu lange auf die Hilfe von aussen zu warten und dabei die Hände in den Schoss zu legen, sondern die göttliche Geisteskraft der Liebe in mir zu wecken. Manche mögen das dann Heiliger Geist nennen oder Codo oder die innere Codo in mir. Ich möchte sehen, wie diese Liebe wirkt.
Ich vermute, in dem Punkt stimmen Kathrin und ich übrigens hundertprozentig überein. Ohnehin habe ich den Eindruck, dass Kathrin und ich hier immer mehr Gemeinsamkeiten entdecken.
Die nächste Dosis von Sternenglanz kannst Du hier hören, ab dem 20. November, dann wieder mit Kathrin Bolt.
Dir alles Gute & Gottes Segen!

Carsten
Wolfers
Carsten Wolfers ist leidenschaftlicher Podcaster und Hobby-Musiker. Der 52-Jährige lebt mit seiner Familie im Rheintal und arbeitet als Diakon für die römisch-katholische Kirche in Sevelen. In seiner Freizeit philosophiert er gerne über die grossen Fragen des Lebens.

